Liedtexte.eu - Nachts um die zwölfte Stunde
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Soldatenlieder




Nachts um die zwölfte Stunde


(Joseph. Christian v. Zedlitz)

Verläßt der Tambour sein Grab,
Macht mit der Trommel die Runde,
Geht emsig auf und ab.

Mit seinen entfleischten Armen
Rührt er die Schlägel zugleich;
Schlägt manchen guten Wirbel,
Reveill' und Zapfenstreich.

Die Trommel klinget seltsam,
Hat gar einen starken Ton,
Die alten toten Soldaten
Erwachen im Grabe davon.

Und die im tiefen Norden
Erstarret in Schnee und Eis,
Und die in Welschland liegen,
Wo ihnen die Erde zu heiß.

Und, die der Nilschlamm decket
Und der arabische Sand,
Sie steigen aus den Gräbern,
Und nehmen's Gewehr zur Hand.

Und um die zwölfte Stunde
Verläßt der Trompeter sein Grab
Und schmettert in die Trompete
Und reitet auf und ab.

Da kommen auf luftigen Pferden
Die toten Reiter herbei,
Die blutigen alten Schwadronen
In Waffen mancherlei.

Es grinsen die weißen Schädel
Wohl unterm Helm hervor,
Es halten die Knochenhände
Die langen Schwerter empor.


Und um die zwölfte Stunde
Verläßt der Feldherr sein Grab,
Kommt langsam vorgeritten,
Umgeben von seinem Stab.

Er trägt ein kleines Hütchen,
Er trägt ein einfach' Kleid,
Und einen kleinen Degen
Trägt er an seiner Seit'!

Der Mond mit gelbem Lichte
Erhellt den weiten Plan,
Der Mann im kleinen Hütchen
Sieht sich die Truppen an.

Die Reihen präsentieren
Und schultern das Gewehr,
Dann zieht mit klingendem Spiele
Vorüberdas ganze Heer.

Die Marschäll' und Generäle
Schließen um ihn den Kreis,
Der Feldherr sagt dem Nächsten
In's Ohr ein Wörtchen leis'.

Das Wort geht in die Runde,
Klingt wieder fern und nah':
"Frankreich!" ist die Parole,
Die Losung: "Sankt Helena!"

Dies ist die große Parade
Im elyseischen Feld,
Die um die zwölfte Stunde
Der tote Cäsar hält.












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copyright © 2007, Carmen Jakel



Textsammlung
Lieder und Gedichte:
Nachts um die zwölfte Stunde